Sengiggi, Lombok: Regenzeit reloaded

Um sechs Uhr morgens holt uns der Minibus vom Hotel ab, das uns netterweise das Frühstück eingepackt hat. Auch die Fahrt nach Amed, dem Abfahrtsort der Schnellfähre nach Lombok, versöhnt etwas mit Bali. Die Landschaft im Osten ist wunderschön, die Berge rücken an die Küste, und wir erblicken immer wieder den Vulkankegel des Ganung Agung, höchster Berg der Insel und Wohnsitz der Götter.

Das Schnellboot bringt uns in weniger als zwei Stunden auf Balis östliche Nachbarinsel. Bevor wir im Dörfchen Bangsal anlanden, laufen wir die drei Gili-Inseln an, die seit ein paar Jahren schwer angesagt sind. Die meisten Mitpassagiere verlassen hier das Schiff.

In den letzten Tagen habe ich mir schon Gedanken gemacht, was denn anders sein könnte im muslimischen Lombok gegenüber dem hinduistischen Bali. Nun ja, die Koberer glauben an den Propheten Mohammed. Im katholischen Flores, unserem nächsten Ziel, kobern sie wahrscheinlich unterm Kreuz. Ökumene überall …

Where are you going?

Wir rutschen gerade etwas unbeholfen vom Boot herunter auf den Strand (einen Pier gibt es nicht) und suchen unsere Habseligkeiten zusammen, als auch schon das vertraute “Where are you going? What’s your name? You need transport? My car, very cheap!” erklingt. Der aufdringliche Mensch belässt es allerdings nicht beim hartnäckigen Fragen, sondern gibt zwei Trägern einen Wink, und die schultern schneller als wir gucken können unsere Rucksäcke und tragen sie davon. Baff von so viel Dreistigkeit stolpern wir unter Stopp-Rufen hinterher und landen vor dem “Office” des besagten Herrn. Wir schnappen uns unsere Rucksäcke und bedeuten der respektlosen Person, dass wir lieber 20 Kilometer mit Rucksack laufen als je in unserem Leben mit ihm in ein Auto zu steigen.

Eine gute Entscheidung, denn dreihundert Meter vom Hafen stehen mehrere Taxis. Ein freundlicher Fahrer bringt uns zum Taximeter-Preis zu “The Beachclub”, wo wir ein Zimmer gebucht haben. Eigentlich wollten wir nur noch in Ausnahmefällen Zimmer über eine Buchungsplattform im Internet bestellen, sondern uns lieber vor Ort umschauen. Da “The Beachclub” aber so paradiesisch auf der Website aussieht, werden wir diesem Grundsatz gleich wieder untreu.

Mieses Zimmer

Reingefallen diesmal! Wir bekommen ein abgewohntes, kleines Zimmer ohne Ausblick, das nie und nimmer seinen Preis wert ist. Das hätten wir vielleicht noch zähneknirschend hingenommen, aber als wir feststellen, dass das Türschloss klemmt und die Toilette nicht nur riecht, sondern auch nicht richtig spült, beschweren wir uns. Das freundliche Personal ist einsichtig und bietet uns an, zu einem etwas reduzierten Preis in einen der Bungalows umzuziehen. Und die sind wirklich schön und groß. Das machen wir.

Der Strand liegt vor unserer Tür, und da es nicht regnet, verbringen wir am Dienstag einige Stunden dort. Die Sandkörner sind mal hell, mal dunkel, so dass der Strand grau-schwarz erscheint – nicht ganz postkartentauglich. Die Landschaft ist allerdings sehr schön, das haben wir schon auf der Fahrt über die kurvige Küstenstraße hierher festgestellt. Die bewaldeten Berghänge steigen gleich vom Meer auf und ein Palmen bestandener Strand folgt dem vorigen. Am Abend schlürfen wir Fruchtshakes am Strand und machen Fotos vom erstklassigen Sonnenuntergang. Wir wundern uns, dass so wenige Touristen hier sind. Eigentlich ist um den Jahreswechsel Hauptsaison, da dann die Aussies und Kiwis Urlaub machen.

Grenzlinien

Unterschiede zu Bali? Auf den ersten Blick: Der Auto- und Mopedverkehr ist nicht so dicht, kaum japanische Touristen, mehr Frauen miöt Kopftuch. In Senggigi gibt es eine Moschee, aber auch nur wenige hundert Meter von unserem Quartier entfernt ein hinduistisches Heiligtum direkt am Meer. Ist auch ziemlich kompliziert mit den Volksgruppen und der Religion auf Lombok. Die große Mehrheit gehört dem Volk der Sasak an, die früher einer Mischreligion aus Islam, Hinduismus und Ahnenkult anhingen. Heute sind 90 Prozent orthodoxe Moslems, Reste des alten Glaubens haben sich aber erhalten. Im 18. und 19. Jahrhundert eroberten hinduistische Fürstentümer aus Bali die Insel. Daher die Hindu-Heiligtümer.

Nicht nur religiös unterscheiden sich beide Inseln. Obwohl Bali und Lombok nur wenige Bootsstunden auseinander liegen, verläuft hier eine Grenze in der Tierwelt, die so genannte Wallace-Linie. Bali und die Inseln westlich davon werden von asiatischen Tierarten (Elefanten, Tiger, wenn es sie noch gäbe) dominiert, während die Tierwelt auf Lombok und östlich davon schon australisch geprägt ist. (Hier irrt übrigens der Loose-Reiseführer, wenn er die Wallace-Linie auch auf die Flora bezieht. Sie gilt so nur für die Fauna). Uns erscheint die Wallace-Linie (benannt nach dem Naturforscher Alfred Russel W.) allerdings ziemlich theoretisch, denn wir haben in ganz Südostasien zwar jede Menge Haus-, aber kaum Wildtiere gesehen.

Waldspaziergang

Das ändert sich auch nicht bei unserem ersten Gang allein in den Wald. Uns fehlt einfach das Querfeldein-Gehen, das man ja in Deutschland so unkompliziert betreiben kann, um dann nach kurzer Strecke auf einen markierten Wanderweg zu stoßen. Wir folgen einfach mal einem Seitensträßchen. Das wird nach einiger Zeit zu einem unbefestigten Weg, der an einzelnen Häuschen und Hütten vorbei führt. Die Menschen dort schauen uns freundlich-erstaunt an. Kommt wohl nicht oft vor, dass Touristen die Hauptstraße von Senggigi verlassen.

Der Weg führt schließlich an einem Bach entlang leicht bergauf in den tropisch üppigen Wald. Einen Wasserfall soll es weiter oben geben, haben uns zwei Jungs gesagt, die uns mit dem Moped auf der rutschigen Piste entgegenkommen. Den Wasserfall im Kopf steigen wir weiter bergan bis wir an eine Stelle kommen, wo man auf den Steinen balancierend den Bach überqueren muss. Helga muss sich überwinden, aber sie schafft es schließlich. Allein der Wasserfall taucht auch nach einigen Minuten Weitergehen nicht auf. Ist wohl doch ein bisschen weit dorthin. Wir kehren um, sind aber ganz stolz, mal unsere eigenen Wege gegangen zu sein.

Roller und Regen

Der Donnerstag beginnt sonnig. Das bestärkt uns, einen Roller zu mieten, um mal in etwas größerem Umkreis die Gegend zu erkunden. Wir haben uns auf der Karte einen kleinen Rundkurs ausgeguckt. Zuerst in die Berge und dann die Küstenstraße entlang zurück. Wir tuckern ein wunderschönes Tal hinauf – und dann fängt es wieder zu regnen an. Zunächst nur leicht, dann immer stärker. An einem kleinen Verkaufsstand stehen wir unter, warten eine halbe, warten eine ganze Stunde, und nochmal eine halbe. Der Regen macht keine Anstalten, auch nur einen Deut schwächer zu werden. Es hilft nichts, wir müssen fahren. Über den Pass und dann in endlosen Serpentinen runter. Wir halten vor einem Restaurant und essen zu Mittag. Irgendwann muss der Regen doch aufhören! Muss er wohl, aber nicht jetzt.

Auf der Küstenstraße lässt der Regen dann doch einmal für zehn Minuten nach. Wir nutzen das, um von einem Aussichtspunkt auf eine traumhafte Bucht zu schauen. Wie schön könnte alles sein – bei Sonnenschein!

Der Freitag macht da weiter, wo der Donnerstag aufgehört hat. Vom Frühstück bis nach dem Abendessen regnet es. Nicht stark, aber beständig. Macht fast nichts, wir lesen uns über Flores ein.

Dorthin wollen wir morgen am Samstag aufbrechen. Und zwar per Boot! Wir haben eine viertägige Tour gebucht, auf der wir auf einigen Inseln Station machen. Darunter ist Rinca, eine der Kommodo-Inseln. Und dort hoffen wir sie zu sehen, die weltberühmten Drachen! Falls wir dazu körperlich in der Lage sein sollten nach all der Kotzerei infolge Seekrankheit ;-).

Den nächsten Eintrag gibt’s wahrscheinlich erst nach Heiligabend. Wir wünschen deshalb schon mal allen Leserinnen und Lesern entspannte Feiertage!

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2 Kommentare zu “Sengiggi, Lombok: Regenzeit reloaded”

  1. Carl-Ronald Rasmussen sagt:

    Euch auch ein ruhiges und wohl weitestgehend ökumenisches Weihnachtsfest und vor allen Dingen weniger Regen. Gruß Ronald

  2. Eugen sagt:

    DANKE! und Euch viel Freude an Bord! Ahoi…

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