Neuseeland: Kristina und Thomas pflegen Pinguine

Wayne hat sich verdrückt. Der Gelbaugen-Pinguin kauert am mannshohen Gartenzaun unter einem Oleanderbusch und versucht sich vor den neugierigen Augen der Besucher zu verbergen.

“Gelbaugenpinguine sind im Gegensatz zu anderen Arten Einzelgänger”, sagt Kristina Schütt (53), “und diesen hier haben wir erst gestern Abend bekommen”. Schütt stammt aus Hamburg-Niendorf und betreibt mit ihrem Mann Thomas Stracke (55), einem gebürtigen Kölner, eine Pflegestation für Pinguine in Christchurch.

Christchurch (rund 350.000 Einwohner) ist die größte Stadt auf der Südinsel Neuseelands und nur wenige Kilometer vom Pazifik entfernt. Die benachbarte Banks-Halbinsel, eine vulkanische Berglandschaft mit felsigen Buchten, ist der nördlichste Brutplatz von Pinguinen in Neuseeland.

Dort wurde auch Gelbauge Wayne aufgelesen. “Meistens benennen wir die Pinguine nach der Person, die sie bei uns abgeliefert hat, und gestern war das Wayne, ein DoC-Ranger”, sagt Kristina Schütt. Das Department of Conservation (DoC), die neuseeländische Naturschutzbehörde, überwacht den Bestand der Pinguine auf der Banks-Halbinsel und an den Brutplätzen im Süden aufmerksam.

Gefährdete Art

Gerade die Gelbaugenpinguine – der Bezeichnung kommt von der gelben Gefieder um die Augen, das sich wie der Bügel eines Kopfhörers auch um den Hinterkopf zieht – sind gefährdet. Sie sind eine der seltensten Arten der Welt und kommen nur im südlichen Neuseeland und einigen Inseln Richtung Antarktis vor. 2004 erlag die Hälfte der Jungtiere einer Atemwegserkrankung. “Auch die Ernährungslage der Vögel ist schwierig. Das Meer ist leer gefischt, und durch die Klimaerwärmung bleiben manche Fischarten aus”, weiß Thomas Stracke, der in Göttingen Biologie studiert hat.

Seit fünf Jahren nimmt die “Christchurch Penguin Rehabilitation”, wie die Station der Deutschen offiziell heißt, kranke und unterernährte Pinguine auf. Schütt und Stracke, die vor zwölf Jahren nach Neuseeland einwanderten, kümmern sich ehrenamtlich um die Tiere. Ihr Geld verdienen sie mit der Pflege von Menschen: Beide arbeiten als Krankenpfleger auf der Intensivstation des städtischen Krankenhauses in Christchurch. “Aber nie in der gleichen Schicht”, sagt Kristina Schütt, “einer muss ja immer zu Hause sein und unsere Schützlinge versorgen”.

Spezialverband für Joe

Und die machen ganz schön Arbeit. Wenn die Vögel bei Schütt und Stracke abgeliefert werden, sind sie oft halb verhungert und verdurstet. Sie werden dann zunächst gewogen und auf Parasiten untersucht. Anschließend erhalten sie oft eine Infusion, um ihnen Flüssigkeit zuzuführen. Drei- bis viermal am Tag müssen die gefiederten Gäste gefüttert werden. Zunächst werden sie mit einem “Fisch-Smoothie” aufgepäppelt. Die mit Vitaminen und Medikamenten angereicherte flüssige Nahrung muss den Vögeln zwangsweise verabreicht werden. Wenn sie wieder einigermaßen bei Kräften sind, verschlingen sie frischen Fisch. Zuerst ist das meist Lachs, da dieser besonders nährstoffreich ist. Später rutschen je nach Vogelgröße Heringe oder Sardellen in die hungrigen Mägen bis die Pinguin-Power wieder voll hergestellt ist.

Auch das Schwimmbecken im Garten dient nicht Menschen zum Plantschen. Mindestens einmal am Tag dürfen die Meisterschwimmer von Christchurch rein. Für Pinguine ist der tägliche Kontakt mit dem Wasser wichtig, um das Gefieder geschmeidig und wasserfest zu halten.

13 Pinguin-Patienten hatten Kristina Schütt und Thomas Stracke schon mal gleichzeitig in Pflege, Jetzt ist es neben dem Gelbauge Wayne nur Joe. Den Zwergpinguin hat es besonders schwer erwischt: Ihm musste nach dem Biss vermutlich eines Seelöwen das linke Bein amputiert werden. Als Schutz für den Beinstumpf hat Thomas Stracke einen Spezialverband angelegt. “Gerade bei verletzten Tieren kommt uns unsere medizinische Ausbildung zugute”, sagt er.

Nach Neuseeland der Pinguine wegen

Ihre Liebe zu Pinguinen entdeckten Schütt und Stracke vor 20 Jahren auf ihrer ersten Neuseeland-Reise. Damals erlebten sie die flugunfähigen Vögel erstmals in freier Wildbahn und waren fasziniert. “Pinguine fliegen sozusagen im Wasser, so tollpatschig sie an Land auch wirken”, sagt Thomas Stracke. Nach der Neuseeland-Overtüre fuhr er mit Kristina mehrmals nach Südafrika, um bei Sanccob, einer Organisation zur Rettung von Seevögeln, zu hospitieren. Dort lernten sie alles, was man für die Pflege der Tiere wissen muss. “Als der Entschluss zur Auswanderung reifte, war ein Hauptkriterium, dass in dem Land Pinguine leben”, sagt Kristina Schütt.

Auch wenn in Hamburg Pinguine nur bei Hagenbek vorkommen – ihrer alten Heimat fühlt sie sich immer noch sehr verbunden. Einmal im Jahr setzt sich das Paar ins Flugzeug und landet in Fuhlsbüttel. Thomas Strackes Eltern leben inzwischen in Dannenberg, Kristina Schütt besucht ihre Mutter in Hamburg. Auch alte Freundschaften möchte sie sich erhalten. Letztes Jahr, so erzählt Schütt, habe sie sich mit Freundinnen die Gartenschau in Wilhelmsburg angesehen, wo ja auch neuseeländische Vegetation gepflanzt war.

Thomas Strackes Passion für Pinguine richtet sich nicht nur auf lebendige Exemplare. Er sammelt auch Pinguin-Figuren aller Art, ein ganzes Zimmer ist damit gefüllt. Stofftiere machen den größten Teil aus, aber auch aufziehbare aus Metall sind dabei und welche aus Porzellan. “Die größte Sammlung der südlichen Hemisphäre”, sagt Stracke augenzwinkernd. Keine Frage, dass im Hause Stracke/Schütt Pinguin-Figuren auch die Teetassen zieren und auf dem Nummernschild ihres weißen Geländewagens die Buchstabenfolge PINGO steht. Thomas Stracke wehrt sich nicht gegen den Eindruck, dass bei ihm zum Ernst der Aufgabe auch ein klein wenig Spinnerei kommt.

Die Pflegestation von Kristina und Thomas ist die einzige ihrer Art in Christchurch. Die beiden Deutschen sind allerdings Teil einer weltweiten Netzwerkes von Pinguin-Freunden. Schwerpunkt ist natürlich die südliche Halbkugel, denn nur dort kommen ihre Lieblinge vor. Schütt und Stracke besuchen fast jährlich Konferenzen, auf denen die aktuelle Lage der Meeresbewohner diskutiert und Tipps zur Pflege der Pinguine ausgetauscht werden.

Zaun gegen Katzen

Auch das deutsche Ehepaar gehörte zu den Opfern des verheerenden Erdbebens, das im Februar 2011 große Teile von Christchurch zerstörte und 185 Menschen das Leben kostete. Die beiden blieben unverletzt, aber ihr Haus war so stark beschädigt, dass sie es aufgeben mussten. Ihr neues Zuhause ist ganz aus Holz gebaut und steht im Westen der Stadt auf Boden, den Erschütterungen aus der Tiefe nicht so leicht wegrutschen lässt. Der Garten musste groß sein, um den watschelnden Gästen genügend Auslauf zu geben. Um ihn herum steht ein mannshoher und lückenloser Zaun aus Holzlatten. Der ist zwar Neuseeland typisch – die “Kiwis”, wie sich die Einwohner selbst nennen, lieben Privatheit – hat aber hier noch eine andere Funktion: Er soll so gut wie möglich vor Katzen schützen, die es zahlreich in der Nachbarschaft gibt. Denn ein kranker Zwergpinguin ist für die Raubtiere eine leichte Beute. Kein Wunder, dass Thomas Stracke sein Verhältnis zu Katzen als “angespannt” beschreibt.

Obwohl den beiden Tierfreunde jeden ihrer gefiederten Patienten lieb gewinnen, richtig glücklich sind sie erst, wenn sie die Pinguine wieder der Natur überlassen können. Wann es soweit ist, merken sie auch am Verhalten der Tiere: Sie lassen sich nur ungern von Menschen füttern, sondern wollen lieber selbst Jagd auf Fische machen. Schütt und Stracke packen sie dann in ihren Geländewagen und fahren sie möglichst zu dem Ort, wo sie gefunden wurden. Dort auf den Fels gesetzt verhalten sich die Pinguine ganz unsentimental: So schnell wie möglich weg von ihren menschlichen Pflegeeltern und rein ins Wasser. Gelbaugenpinguin Wayne wird, wenn alles gut geht, in wenigen Wochen gesund und gut genährt in die Freiheit watscheln.

Dem einbeinigen Joe wird das nicht vergönnt sein: Er hätte in der Natur keine Chance zu überleben. Seine neue Heimat wird das Internationale Antarktis-Zentrum in Christchurch sein. Dort wird er in einer Gruppe von Artgenossen umherhumpeln. Um die nicht anzustecken, lebt Joe zur Zeit in Quarantäne, das heißt einzeln in einem Drahtverhau. Gut für Joe, zum Fototermin mal raus zu kommen. Kristina Schütt streicht ihm liebevoll übers Gefieder und sagt: “Joe wird es auch dort gut haben”.

{Wundert euch nicht über den besonderen Stil dieses Beitrags. Er ist auch noch nicht wirklich fertig. Kristina und Thomas lade ich ein, sachliche Fehler zu korrigieren. Zum Beispiel war es bestimmt kein Oleanderbusch unter dem Wayne saß, sondern? Einiges habe ich auch hinzugedichtet …}

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2 Kommentare zu “Neuseeland: Kristina und Thomas pflegen Pinguine”

  1. kristina sagt:

    hallo Dieter und Helga,das ist ja eine nette story geworden! 5
    Einwände haben wir:
    Wir sind in den Westen gezogen, der Osten hat so sehr gelitten
    Die Pinguine kriegen erst Lachs, er ist sehr nährreich, dann je nach Vogelgrösse Sardinen oder Anchovies
    Wir haben KEINE Glasscherben auf dem Zaun, nur stachelige Büsche
    Wir arbeiten auf der gemischten Intensivstation, der einzigen auf der Südinsel… so sehen wir die Unfälle VomTV den nächsten Tag iauf unserer Station.das mit der Neuro etc war in Göttingen.das KrankenhAus wird von westeuropäischen Patienten und Familien sehr gelobt
    Wir fahren jedes Jahr einmal an die Elbe um unsere Familien in Dannenberg und Hamburg zu sehen

    Ansonten ist alles correct! Viel spass in Fiji, Kristina

    • Dieter sagt:

      Hi Kristina, wir waren ein paar Tage offline, deshalb kann ich erst jetzt antworten, aus Picton übrigens. Vielen Dank für die Hinweise auf sachliche Fehler, ich hatte befürchtet, dass ich mehr “Stuss” geschrieben habe. Es war ja keine sehr “journalistische” Situation beim Besuch bei euch. Ich werde den Artikel entsprechend ändern. Es können aber noch ein paar Tage vergehen, bis ich dazu Zeit habe. Helga und ich hoffen, dass es euch und euren tierischen Gästen gut geht, und wir grüßen euch ganz herzlich.

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