Mui Ne, Vietnam: Highlights

Wir wollen nach Süden, möglichst bis Mui Ne. Aber es ist kein Busticket mehr zu bekommen. Wie gut, dass es in Vietnam auch eine Eisenbahn gibt.

Der Fahrkartenkauf am Sonntagmorgen in Hoy An gestaltet sich allerdings als schwierige kommunikative Aufgabe. Den Zielort Mui Ne können wir der jungen Dame am Bahnschalter ja noch auf der Karte auf dem iPad zeigen. Die diversen Beförderungsklassen machen den Kaufvorgang allerdings zu einem kommunikativen Blindflug. So landen wir auf den harten Bänken der Holzklasse.

Eine Horrorvorstellung, rund sieben Stunden auf schmalen, harten Bänken in einem gut gefüllten Wagen mit vergitterten Fenstern gen Süden zu zuckeln. Helga fasst sich ein Herz, geht nach vorne zur Kunstleder-Weichsitz-Klasse und wagt die Frage an den Schaffner, ob wir nicht den Wagen wechseln können. Für 200.000 Dong geht in Vietnam vieles, auch das.

Auf der Karte haben wir gesehen, dass Mui Ne nicht direkt an der Bahnstrecke liegt. Nachdem wir in einem Örtchen ausgestiegen sind, dessen Namen man sich nicht merken muss, stellt sich allerdings heraus, dass bis zu unserem Ziel noch mehr als 30 Kilometer zurückzulegen sind. Und es stellt sich heraus, dass von hier nach Mui Ne kein Bus fährt. Das hatten wir nicht erwartet. So müssen wir in den sauren Apfel beißen und mit dem Taxi fahren. Die letzten Meilen nach Mui Ne waren dadurch teurer als die schon verteuerte Eisenbahnfahrt.

Der ob der einträglichen Fahrt strahlende Taxifahrer setzt uns vor unserem Quartier ab, dem Nhat Quang Familiy Resort. Obwohl es schon dunkel geworden ist, merken wir gleich, dass wir es wieder gut getroffen haben: eine recht neue Bungalow-Anlage direkt am Strand unter Palmen, schöner Garten, Pool.

Warum fährt man nach Mui Ne? Vielleicht um seine Russisch-Kenntnisse aufzufrischen? Jedenfalls stellen Bürgerinnen und Bürger des von einem “lupenreinen Demokraten” beherrschten Landes einen großen Teil der Urlauber. Vietnamesisch, Englisch, Russisch – - Schilder und Speisekarten zeigen, dass sich die geschäftstüchtigen Vietnamesen auf diese zahlungskräftige Klientel eingestellt haben.

Überbewertet

Wir fahren nach Mui Ne, weil es im Reiseführer als eines der “Highlights” Vietnams eingetragen ist, und weil es günstig liegt. Wenn man wie wir über Saigon das Land verlässt, dann bietet sich der Ort als vorletzte Station an, nur 200 Kilometer nördlich der Megacity gelegen.

“Atemberaubende Sanddünen vor türkisblauem Meer” – so bewirbt der “Loose” den Ort. Obwohl, “Ort” kann man Mui Ne kaum nennen, eher ist es eine Ansammlung von Hotels und Geschäften, die sich rund neun Kilometer den Strand entlang zieht. Der lange Sandstrand, von Palmen gesäumt, der hat schon was. Obwohl, wir haben schon schöner gelegene Strände in Vietnam gesehen. Auch die Sanddünen haben was. Dort könnte man tatsächlich einen Film drehen, der in der Sahara spielt. Obwohl, die weißen Sanddünen sind mehr als zwanzig Kilometer von Mui Ne entfernt. Und weiter geatmet habe ich bei ihrem Anlick habe ich auch.

Kurz gesagt: Wir halten Mui Ne für etwas überbewertet – was übrigens auch für manche andere Reiseführer-”Highlights” gilt.

Auf den Dünen

Am Dienstag mieten wir uns einen Roller, denn wir wollen das “Highlight” Dünen sehen. Wir müssen zunächst tanken. An einer Zapfsäule gleich bei unserer Hotelanlage stoppen wir. In Vietnam wie auch in Laos sind noch vielerorts moderne Tankstellen rar. Mopeds und dergleichen ziehen ihren Sprit an kleinen Blechsäulen, auf die oben eine Glassäule als Füllstandsanzeige aufgesetzt ist. Sie sind meist an ein Geschäft angedockt. Unser “Tankwart” ist ein etwa zehn Jahre alter Junge. Immer wieder erstaunlich, wie selbstverständlich Kinder von ihren Familien als Arbeitskraft gebraucht werden.

Hinter Mui Ne steigen flach die roten Dünen an, so genannt, weil der Sand rötlich schimmert. Hier machen wir wieder mit der negativen Seite der Geschäftstüchtigkeit Bekanntschaft. Als wir uns suchend umschauen, wo wir unser Gefährt abstellen können, ruft uns ein junger Mann heran. Ja, hier könnten wir parken. Sogleich macht er uns klar, dass wir doch als Gegenleistung in seinem Geschäft etwas einzukaufen hätten. Als wir darauf zögerlich reagieren, wird er sauer und bedeutet uns, doch das Weite zu suchen. Nein, Freundlichkeit ohne Eigennutz gibt es an manchen Orten nicht.

Wir fahren weiter die Küste entlang und wundern uns, wie weit es zu den weißen Dünen ist. Endlich geht eine unbefestigte Straße nach rechts ab, die zu den Dünen führt. Ein See taucht in der sandigen Landschaft auf und dahinter erheben sich die Sandberge. Man muss allerdings Eintritt zahlen und betritt dann eine etwas in die Jahre gekommene Anlage, in der einfache Restaurants auf Kundschaft warten. Auch sind vierrädrige Geländemaschinen zu mieten, mit denen man die Sanddünen malträtieren kann. Oder man kann auf den Rücken von Straußen steigen und sich von den Riesenvögeln tragen lassen.

Wir stapfen auf eigenen Füßen durch den Sand. Die Dünenlandschaft hat schon seinen Reiz, aber Sahara-Feeling will bei uns so richtig nicht aufkommen. Wir erinnern uns an die steilen Sanddünen an der Ninety-Nine-Mile-Beach ganz im Norden von Neuseeland. So ganz können die Sandberge bei Mui Ne nicht mithalten.

Auf der Rückfahrt halten wir an einem Essenstand, genießen die scharfe Nudelsuppe und die Freude der Suppenfrau, dass es uns schmeckt. Wird uns wahrscheinlich stärker im Gedächtnis bleiben als das “Highlight” Dünen.

Salz, Pfeffer, Limettensaft

Am Nachmittag noch ein Sprung ins badewannenwarme Meer, und am Abend finden wir ein Plastikstuhl-Restaurant, das vor allem Meeresfrüchte auf der Karte hat. Die Karte übrigens nur in Vietnamesisch und Russisch. Die Muscheln, die wir aus der Schale schlürfen, sind eine Köstlichkeit. Ein Teller für grade mal einen Euro und dreißig.

Man könnte auch einen Blog schreiben “Kulinarische Erlebnisse in Vietnam”. Salz, Pfeffer, vermischt mit Limettensaft auf das frische Muschelfleisch. So einfach können “Highlights” sein.

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2 Kommentare zu “Mui Ne, Vietnam: Highlights”

  1. Eugen sagt:

    hier um die 5° C, regnerisch trüb, alles grau und ne Curry-Wurst auf dem Weihnachtsmarkt – das sind die Highlights hier…

  2. Eugen sagt:

    hihi, dein Helm sieht ein bisschen aus, wie so ein alter Kriegshelm…und die Kinderfotos sind wie immer äußerst entzückend! Als auch das mit den vielen Booten!

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