Labuan Bajo, Flores: Nur ein wenig Weihnachten

Am Nachmittag von Heiligabend tragen wir unsere Rucksäcke von Bord. Die Bevölkerung von Flores ist überwiegend katholisch. Hier in Labuan Bajo haben allerdings die Muslime die Mehrheit. Wie angenehm! Sieht man von den Gesängen des Muezzin morgens um fünf ab. Wo im Koran steht, dass Gebete über Lautsprecher erschallen müssen!?

Das Städtchen an der Westküste, Fährhafen und Tor zum Komodo-Nationalpark, zeigt sich auch am Nachmittag des 24. Dezember geschäftig. Die Läden sind offen, ab und zu sieht man mal ein Spruchband “Merry Christmas and a happy new Year!”, und vereinzelt sind Menschen mit roten Zipfelmützen zu sehen. Mehr Weihnachten ist nicht.

Keine Anmache

Und eine weitere Schrecklichkeit fehlt hier: Touristen werden in Labuan Bajo nicht alle zehn Meter angemacht, Nippes zu kaufen, ein Taxi zu nehmen oder unbedingt in dieses oder jenes Lokal einzukehren. Im Gegenteil, wir haben sogar ein wenig Mühe, ein Bemo aufzutreiben, das uns zu unserem Quartier fährt. Man kann nach Bali und Lombok diese respektvolle Zurückhaltung gar nicht genug preisen!

Das “CF Komodo Hotel”, eigentlich einen kleine Bungalow-Anlage, liegt etwas oberhalb des Ortes mit schönem Blick auf die Bucht. Ein Mangobaum steht dicht vor unserer Terrasse, so dass uns die dicken, grün-gelben Früchte fast in den Mund wachsen. Alles gut also, wenn nicht wieder die Klospülung … Und erstmals haben wir eine Unterkunft ohne WLAN.

Gegen Abend gehen wir hinunter ins Örtchen. Labuan Bajo ist ein bescheidener touristischer Hotspot auf Flores. Einige kleine Hotels und Gästehäuser sind in den letzten Jahren entstanden. Und ein paar der unvermeidlichen Travellerlokale, leicht gestylt und auf den westlichen Einheitsgaumen abgestimmt. Allein vier “Italiener” habe ich gezählt, wobei “italienisch” im Wesentlichen Pizza und Pasta heißt. Außerdem gibt es einige Tourbüros und Tauchschulen. Ist wohl ein gutes Revier hier für den Unterwassersport. Bei aller touristischer Entwicklung – Labuan Bajo ist noch nicht herausgeputzt, und das Leben geht noch weitgehend seinen beschaulichen Gang.

Beim Italiener

Als wir unten auf der Hauptstraße sind, dreht Petrus wieder mal die Dusche auf. Und zwar so stark, dass wir uns gerade noch unter das Vordach eines Restaurants retten können. Es heißt “Mediterrano” und ist – dümmer könnte es nicht laufen – einer jener Pseudo-Italiener. Was noch schlimmer ist: Drinnen sind die Tische weihnachtlich gedeckt, auch ein Christbaum fehlt nicht, und das Personal läuft in albernen roten Zipfelmützen herum. Da reise ich um die halbe Welt, um endlich einmal dem Geruch von schlechtem Glühwein auf Weihnachtsmärkten und den endlosen “Jingle Bells-Gedudel im Radio zu entgehen und lande dann hier! Tragisch! Allein Petrus an den himmlischen Armaturen bleibt unerbittlich. So füge ich mich in mein Schicksal, während bei tropischen Temperaturen “I’m dreamin’ of a white christmas” aus den Lautsprechern säuselt.

Zum Glück gibt es im Lokal eine erhöhte Ebene, die nicht weihnachtlich verunstaltet ist. Dort nehmen wir Platz und bestellen Pizza (Dieter) und Pasta (Helga), deren Qualität dem Niveau der Speisegaststätte entspricht. Sobald Petrus den Hahn zudreht und die Pizza Verz verputzt ist, bloß weg von hier!

Der Muezzin ruft

Wir schlafen den Schlaf des Gerechten. Bis morgens um fünf. Denn in aller Herrgottsfrühe tritt der Muezzin aufs Dach der Moschee. Von dort stimmt der Muezzin religiöse Gesänge an und verstummt erst nach nach gut einer halben Stunde vorerst wieder. Sein an den Nerven zerrendes Geschrei stößt der Muezzin in ein Mikrophon, das mit einem Verstärker und Lautsprechern verbunden ist. Es soll ja niemand überhören, dass der Muezzin ruft! Um fünf morgens! Muslime nicht, Christen nicht und Aufgeklärte auch nicht. Was juckt es den Muezzin, dass jetzt alle im Umkreis von fünf Kilometern wach sind! Wie sagte einst Kalle Marx: “Religion ist Ohrenterror für das Volk!” Und dem, was zwischen den Ohren ist, tut es auch nicht gut …

So, genug der antireligiösen Propaganda. Am Mittwoch wollen wir einen einen faulen Tag machen. Dem kommt entgegen, dass es den ganzen Vormittag über schüttet. Also ist Lesen auf der Veranda ziemlich alternativlos. Währenddessen meldet sich Petra, unsere Bekanntschaft vom Schiff, per SMS. Ob wir nicht Lust hätten, eine viertägige Tour quer durch Flores mitzumachen. Eigentlich hatten wir uns vorgenommen, ganz eigenständig mit dem Bus und Bemo über die Insel zu fahren. Am Nachmittag treffen wir uns mit Petra, und sie überzeugt uns. Wir buchen für Freitag einen Wagen mit Fahrer. Vier Tage von West nach Ost mit drei Übernachtungen, Endpunkt Maumere.

Auch am 25. Dezember ist in Labuan Bajo von weihnachtlicher Stille nichts zu spüren. Im Supermarkt steht die Muslimin (mit Kopftuch) und die Christin (mit Weihnachtszipfelmütze) einträchtig an der Kasse. Alle Läden sind geöffnet, die Mopeds knattern. Und es regnet immer wieder sintflutartig. Wir erfahren, dass das Schiff, mit dem wir hergekommen sind, seine Rückfahrt wegen Unwetterwarnungen nicht antreten konnte.

Ein schöner Ort

Am Donnerstag lässt sich kein Unwetter blicken, im Gegenteil: blauer Himmel, Sonnenschein. Wir nutzen das schöne Wetter, um zu Fuß die Umgebung zu erkunden. Auf einem Hügel nicht weit von unserer Unterkunft stoßen wir zu unserer Überraschung auf einen kleinen hinduistischen Tempel. Übrigens wie meist mit Hakenkreuz, das im Hinduismus seit Jahrtausenden verwendet wird. Im Reiseführer steht, dass in Labuan Bajo auch Menschen siedeln, die von Bali stammen. Wir blicken über die Bucht und den Hafen zu der dicht vorgelagerten Insel und deren Sandstrand. Zahlreiche Motor- und Segelboote treiben als weiße Flecken auf blauem Grund davor. Nur schön!

Unten am Hafen essen wir in einem Warung zu Mittag. Ich sorge für Heiterkeit, als der Plastikstuhl unter mir zusammenbricht und ich Mit dem Rücken auf dem Boden lande. Nix passiert! Der freundliche Wirt schiebt mir zwei ineinander gestellte Stühle unter den Hintern. (Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich habe nicht zugenommen!!) Danach gehen wir noch über einen kleinen Gemüse- und Fischmarkt, auf dem die Einheimischen noch ganz unter sich sind. Unterwegs sprechen uns Immer wieder Kinder an und probieren ihr Englisch aus.

Uns gefällt das einzige nennenswerte Tourismusörtchen auf Flores. Vor allem wegen der herzlichen Menschen, denen noch nicht die Geldscheine aus den Augen leuchten. Der Fremdenverkehr steckt noch in den Kinderschuhen – wenn er ihnen nur nie entwachsen würde!

Diese Diashow benötigt JavaScript.

3 Kommentare zu “Labuan Bajo, Flores: Nur ein wenig Weihnachten”

  1. Juliane Chakrabarti sagt:

    Liebe Helga, lieber Dieter

    Das erwähnte Hakenkreuz im hinduitsischen Tempel ist die “Swastika”, ein uraltes Symbol des Lebens, bei dem die “Haken” allerdings zur anderen Seite zeigen, als beim Hakenkreuz, es wurde also von den Nazis einfach für ihre Zwecke entfremdet. Ansosnten seid Ihr ja an einem Ort mit vielen unterscheidlichen Relgionen gelandet, fehlen die Buddhisten und die anhänger der verschiedenen Naturreligonen

    Liebe Grüße aus dem nasskalten Hamburg, kommt gut in 2014 an

    Shila und Juliane

    • Dieter sagt:

      Liebe Juliane, danke für die Neujahrswünsche und guten Rutsch auch unsererseits. Übers Hakenkreuz, das wir oft in Südostasien gesehen haben, habe ich mich auch informiert. Je nachdem wie herum die Haken sind, bedeutet es Leben oder Tod im Hinduismus. Aber auch schon in der Antike und bei den ollen Germanen gab es ähnliche Zeichen. Und in der Flagge des autonomen Gebiets Guna Yala in Panama war die Swastika gar bis 2010 enthalten. Reisen bildet!

  2. Ingeburg sagt:

    Zum neuen Jahr nun auch von mir ein Gruss fuer Euch.im interkulturellen Garten haben wir wie im letzten Jahr mit vielen Leuten das alte Jahr verabschiedet und damit eine weitere Tradition geschaffen. Um Mitternacht war ich am Altonaer Balkon und da ich dort an der Elbe schon immer einen Hauch Nordsee rieche ( behaupte ich mal ) ,müssen meine guten Wünsche fuer alle, die ich kenne, durch die Meere auch zu euCH gekommen sein.
    Ich freue mich auf eure weiteren Fotos und berichte!
    Ingeburg

Schreibe einen Kommentar zu Juliane Chakrabarti