Hue, Vietnam: Verbotene Stadt und verbotene Preise

Am Donnerstag Regen. Am Freitag kübelweise Dauerregen. Hue macht seinem Ruf, eine der regenreichsten Städte Vietnams zu sein, alle Ehre.

Am ersten Tag macht uns das Wetter noch nicht so viel aus, denn wir sind von der strapaziösen Fahrt im Sleeping Bus noch ganz gerädert. Nach einem Bummel durch die Straßen rund ums Hotel, freuen wir uns aufs Zimmer.

Am nächsten Tag prasselt der Regen noch viel stärker. Und hört keine Sekunde auf. Nach dem Frühstück gehen wir dennoch los, denn Hue ohne die Zitadelle und die verbotene Stadt, das geht nicht. Für die Cyclo-Fahrer sind Touristen, eingehüllt in Regenjacken, natürlich sofort Anlass, ihre Dienste anzubieten. Unser Widerstand ist angesichts der Umstände gering, und so sitzen wir achnell im überdachten Dreirad und lassen uns über den Parfümfluss zur Hauptattraktion Hues radeln. Zu völlig überhöhtem Preis – wir haben einmal mehr nicht aufgepasst, Vietnam ist ein Land der Geschäftemacher.

Hue war von 1802 bis 1945 Hauptstadt Vietnams und Sitz der letzten Kaiser des Landes. Sie ließen am Nordufer des Flusses eine Befestigungsanlage bauen, die Zitadelle, darin die Verbotene Stadt, die früher nur dem Kaiser und seinem Hofstaat zugänglich war. Alles ist umschlossen von einer Mauer, die rund zehn Kilometer lang ist.

Im Vietnamkrieg (der hier offiziell Amerikanischer Krieg heißt) war auch die Kaiserstadt Schauplatz erbitterter Kämpfe zwischen Viet Kong und US-Truppen und wurde teilweise zerstört. Nach 1975 ließ die sozialistische Regierung aus ideologischen Gründen dieses Zeugnis feudaler Herrschaft zunächst weiter verfallen. Erst als die Anlagen 1993 zum Weltkulturerbe erklärt worden waren, wurden sie teilweise wieder aufgebaut und restauriert. Restauratoren aus Potsdam haben sich dabei große Verdienste erworben.

Die Kaiserstadt besticht nicht durch Pomp und Pracht, sondern beeindruckt mich eher als Gesamtanlage mit ihren Hallen, Pavillons, Toren, Plätzen und Teichen. Es sind nicht sehr viele Besucher hier; alle müssen sich ihren Weg suchen zwischen zum Teil knöcheltiefen Pfützen, die allmählich kleinen Teichen ähneln.

Das Frühstück im Hotel ist nicht gerade üppig, und so treibt uns der Hunger um die Mittagszeit wieder hinaus vor die Tore der Kaiserstadt. Wir folgen einem Essenstipp im Reiseführer und kehren im “Lac Thanh” ein, ein kleines Restaurant, in dem es Spezialitäten aus Hue geben soll zu günstigen Preiaen. Der Besitzer, Mister Lac, ist taubstumm und empfiehlt uns in Zeichensprache heißen Limettensaft mit viel Zucker – innerlicher Schutz gegen die Nässe.

Das Essen ist in der Tat besonders: Wir bekommen Gemüse, Fleisch, Kräuter und Reis, die wir selbst in hauchdünne Blätter aus Reisstärke einwickeln und in eine scharfe Erdnusssoße tunken. Mister Lac demonstriert uns, wie das alles geht. Auf großen Bogen Papier hat er Traveller aufschreiben lassen, wie vorzüglich es ihnen geschmeckt hat bei ihm. Wir können uns den Urteilen unserer Voresser nur anschließen.

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Zurück im Hotel hoffen wir, dass der Regen im Laufe des Nachmittags nachlässt. Die Hoffnung trügt, es gießt eher noch stärker. Raus zum Abendessen? Lieber nicht. Der Chef unseres Hotels organisiert für uns Springrolls und eine Nudelsuppe vom Restaurant seines Bruders, eine Straße weiter.

Jetzt am Abend läuft das Wasser schon in die Lobby des Hotels und bei uns wächst allmählich die Sorge, dass bald der Fluss über die Ufer tritt. Für morgen, Samstag, haben wir eine Tour nach Hoi Ann gebucht, die uns der Hotelchef gleich beim Einchecken angedreht hat. In Hoi Ann wollen wir dann bleiben.

Apropos angedreht: Was wirklich nervt in Vietnam ist das Penetranz, mit der Touristen hier alles Mögliche aufgedrängt wird. Kaum ist man angekommen, stürzen sich Taxifahrer auf einen, zupfen Straßenhändlerinnen am Ärmel, um auf ihr Gebäck aufmerksam zu machen oder für was auch immer Touristen die Brieftasche zücken sollen. Im Hotel preist der Besitzer nachdrücklich das Restaurant des Bruders nebenan und seine Frau meint, eine Fahrt in die ehemaligen Demilitarisierten Zone sei ein absolutes Muss für historisch Interessierte. Und ständig hat man das Gefühl, übers Ohr gehauen zu werden, selbst von der Marktfrau, der man etwas Obst abkauft. Das erzeugt eine ständige Abwehrhaltung und ein Misstrauen, das manchmal auch Leute trifft, die es wirklich gut meinen.

Allzu viel Geschäftstüchtigkeit schadet dem Geschäft. Wer macht das den Vietnamesen klar?

2 Kommentare zu “Hue, Vietnam: Verbotene Stadt und verbotene Preise”

  1. Mary Obele sagt:

    Hi Dieter and Helga
    We are enjoying reading about your travels. The kids have been following you on the world stage.

    Have you an idea when you will be at our place, which and how many weeks in March?
    We would love to have you here as long as possible and I am organising work now around you.
    The kids keep planning things for you and Helga, and we look forward to having you here for a very long time, for long evening chats.

    MMFL xxxxx

  2. gitte sagt:

    Liebe Helga, lieber Dieter,
    mit großem Interesse lesen wir fast täglich eure Reisebeschreibungen. Uns freut, dass ihr soviel seht und uns auch durch eure Beiträge teilnehmen lasst.
    Übrigens, …wir allle von Schipperort haben uns schon ziemlich viel Sorgen um euch gemacht wegen des Taifuns und waren sichtlich erleichtet, dass Viertnam mit einem “blauen” Auge davon gekommen ist. Prima, dass ihr auch allen mitgteteilt habt, dass es “euch” gut geht!
    Wir freuen uns schon auf das “mehr” von euch!
    Seid ganz lieb gegrüßt aus Hamburg
    gitte,Ralf und Kiddies

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