Hoi An, Vietnam: Vom Regen in die Flut

Über die gebuchte Tour von Hue nach Hoi An wollen wir lieber schweigen. Denn sonst müssten wir uns selbst der Dusseligkeit bezichtigen. Immerhin sind wir jetzt in dem wegen seiner historischen Häuser zum Touristenziel gewordenen Städtchen. Allerdings ist es in Hoi An nass – sehr nass!

Genauer gesagt: Teile der Altstadt sind überflutet und nur mit dem Boot zu erreichen. Schon auf der regenreichen Fahrt von Hue hierher kommen wir durch Städte, wo wir durch überflutete Straßen fahren müssen. Dann in Hoi An ist das von uns ausgeguckte Hotel wegen des Wassers nicht zu erreichen. Nach Kurverei durch die Stadt und einigen Telefonaten setzt uns der Fahrer vor einem Hotel ab, das am Rand der Altstadt liegt. In der Lobby treffen wir eine Österreicherin, die gerade per Boot aus ihrem Quartier “evakuiert” worden ist.

Man erzählt uns, dass die Stadt alle paar Jahre unter Wasser steht. Dieses Ereignis haben wir also punktgenau getroffen. Am Nachmittag hört der Regen zwar auf, der Bummel durch die Straßen endet aber immer wieder dort, wo man ohne Gummihose nicht mehr weiter kommt. Aber nicht nur wegen dieser Einschränkungen der Bewegungsfreiheit kommt bei uns schnell der Gedanke auf “Hier bleiben wir nicht lange”.

Hoi An gehört zu den beliebtesten Touristenzielen in Vietnam. Und in der Tat, in kaum einer anderen Stadt haben wir so viele von unseresgleichen gesehen wie hier. “Eine Stadt wie aus dem Bilderbuch” – so preist unser Reiseführer die Stadt und meint damit, dass hier bis zu 200 Jahre alte Wohnhäuser und Versammlungshallen kaum verändert erhalten geblieben sind. Man kann einige von ihnen gegen Eintritt besichtigen. Zudem können Traveller hier nach Herzenslust shoppen; insbesondere Kleidung kann man kaufen, aber auch schneidern lassen.

Uns geht der Touristenrummel allerdings auf die Nerven, und es wächst der Wunsch nach einem ruhigeren Ort mit 98 Prozent Einheimischen auf der Straße. Wir blättern in unserem elektronischen Loose-Reiseführer und studieren die Landkarte aus Papier. Unsere Wahl fällt auf Kon Tum im zentralen Hochland, abseits der Hauptstroms der Touristen. Allerdings ist es teuer dorthin zu kommen. 35 Dollar verlangt man in den Buchungsbüros, schließlich finden wir ein Ticket für 25 pro Person. Immer noch teuer – für das Geld kommt man normalerweise fast durchs ganze Land. Sonntagabend soll der Bus abfahren – Sleepingbus Nummer drei.

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Den Tag beschließt das Abendessen. Es ist schon erstaunlich, dass fast alle Touristen Lokale ansteuern, die nur für Touristen gemacht sind. Dort gibt’s westliche Konsensküche und das, was Touristen als vietnamesische Küche verkauft wird. Wir finden wieder ein einfaches Lokal, in dem nur Vietnamesen sitzen. Am besten man schaut nach kleinen roten Plastikstühlen und schlichten Tischen, dann is(s)t man richtig – und für wenig Geld. Uns schmeckt diesmal ein knusprig gebratenes Hähnchen mit Reis.

Ein vietnamesisches Paar am Nachbartisch findet lustig, dass mir Helga ein Stück Hähnchen von ihrem Teller in den Mund schiebt. “Like a baby”, sagt sie und bricht in Gelächter aus. Sie spricht ganz gut Englisch, und so kommen wir ein wenig ins Gespräch, aber hauptsächlich ist es dieses erfrischende Lachen, das in Erinnerung bleibt. Sie habe sich Englisch selbst beigebracht, ihr Mann sei Maurer, sie fragt, woher in Germany wir kommen, das meiste geht in der Geräuschkulisse unter, aber egal. Ich erwähne diese Episode auch, weil ich im letzten Beitrag negativ über Vietnamesen in ihrer Rolle als Geschäftemacher geschrieben habe. Trifft man solche, die nicht mit Touristen Geld verdienen, dann sind die meisten offen und herzlich.

Es hat inzwischen aufgehört zu regnen, und am Sonntag sind die meisten Straßen und Gassen wieder passierbar. Wir schieben uns durch’s geschäftigen Treiben, mokieren uns über die japanischen Touris, die sich stets in Gruppen durch die Stadt radeln lassen und beschließen dann, doch noch zum Strand zu fahren, der einige Kilometer außerhalb der Stadt liegt. Dabei kommt wieder Dieter, der Rollerfahrer, zum Einsatz. Abgesehen vom Rollerfahren selbst, gestaltet sich der Ausflug allerdings als unspannend. Ein paar Leute am Sandstrand, unspektakuläre Landschaft, um die wenigen Touristen kümmern sich viele Händler.

Um Halbsechs werden wir vom Hotel abgeholt. Auf nach Kon Tum!

[Erst nachträglich lesen wir bei SPON: "Rund um Hoi An: 19 Tote bei Überflutungen in Vietnam". Mein lockerer Ton war also nicht angemessen.]

4 Kommentare zu “Hoi An, Vietnam: Vom Regen in die Flut”

  1. Eugen sagt:

    ah, schön von Euch zu lesen!!! Just gestern abend berichteten sie von den Überschwemmung in Vietnam – da macht man sich dann schon mal seine Gedanken…(“in zwei Tagen so viel Regen wie bei uns in einem Jahr!”). Also: ick freu ma, dass es Euch gut geht!

  2. Renate sagt:

    Lieber Dieter, ich habe heute extra im Internet geguckt, um zu recherchieren, wo die Regenfälle waren. Ihr war ja mittendrin. Gut, dass Euch nichts passiert ist. Hoffentlich wird es besser; davon steht in den Berichten nichts, aber auch nichts Gegenteiliges.
    Liebe Grüße und weiterhin gute Reise
    Renate

  3. karla sagt:

    na,ich bin auch froh, dass es euch gut geht.
    Hoffentlich muss man nicht demnächst Schiff ahoi sagen,
    sondern ihr könnt euch auf festem Boden mit weniger Regen bewegen.
    schwesterlichen Gruß aus Berlin an Helga
    und an Dich Dieter der Dank für Berichte und Bilder
    Karla

  4. Thorsten sagt:

    Hallo Dieter, hallo Helga,
    Wir hatten euch gerne wieder getroffen, denn wir waren zum gleichen Zeitpunkt in Hoi An.
    Schön, dass ihr trocken geblieben seid.
    Wünschen euch noch viel Spass auf der Tour.

    Viele Grüße
    Thorsten

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