Hanoi, Vietnam: Hocketse und Ho Chi Minh (2. Tag)

Das Frühstück im Prince-Hotel ist erstaunlich gut. Wir bekommen einen Teller mit Ananas- und Drachenfruchtstücken. Für Helga gibt’s Baguette, Marmelade, Schinken und zwei Spiegeleier, also ziemlich europäisch. Und Dieter freut sich über die Nudelsuppe mit Rind, das ist Asia-Style.

Wir machen uns zu Fuß auf Richtung Ho Chi Minh-Mausoleum. Als wir mit dem iPad an einer Ecke stehen, um uns zu orientieren, spricht uns der Fahrer einer Rikscha an. Nachdem wir den Preis stark nach unten gehandelt haben, steigen wir ein und lassen uns zum Mausoleum strampeln.

Im Reiseführer hatten wir schon gelesen, dass wir den einbalsamierten Ho Chi Minh wohl nicht zu Gesicht bekommen werden. Denn jedes Jähr im Herbst wird der Revolutionär und Landesvater nach Moskau gebracht, wo ihn die dortigen Balsamierer weiter haltbar machen. Onkel Ho hatte übrigens testamentarisch verfügt, nach seinem Tod verbrannt zu werden. Das passte jedoch den damaligen Machthabern so gar nicht ins Konzept. Deshalb ließen sie den dunkelgrauen Klotz als Mausoleum bauen, und der bescheidene Staatsgründer und Sieger über Franzosen und Amerikaner muss seitdem damit leben, dass nach seinem Tode jedes Jahr Tausende mit feuchten Augen an ihm vorbeiziehen – vom armen Reisbauern bis zum pensionierten Lehrer aus Deutschland, der anno ’68 das Ho Chi Minh-Konterfei mit revolutionärem Elan durch Westberliner Straßen trug. So, dieser Satz war der Versuch, in den “Hohlspiegel” des bekannten Nachrichtenmagazins zu kommen.

Also, Mausoleum nur von außen. Gleich nebenan ist das Ho Chi Minh-Museum. Das wird aber vom Reiseführer als nur mäßig interessant beschrieben. Schenken wir uns also. Dann zu Onkel Hos Haus. Das ist sein ehemaliges Wohnhaus und Arbeitsstätte, seit 1977 für Besucher geöffnet. Aber nicht für uns, denn wir kommen wieder mal zur Mittagszeit dort an, und hier wie in Laos ist von zwölf bis halbzwei heilige Mittagsruhe. Den Präsidentenpalast, wo die heutigen Machthaber residieren, soll Onkel Ho übrigens nie betreten haben.

Wenn ich hier öfter “Onkel Ho” schreibe, dann ist das übrigens nicht der Versuch, einen möglichst locker-flapsigen Ton anzuschlagen, sondern entspricht dem offiziellen Sprachgebrauch zum Beispiel auf Wegweisern. Soll wohl das Bild vom gütigen Mann aus dem Volke fördern, der Ho Chi Minh ja vielleicht auch war.

Wenn schon nicht auf Zeugnisse der Zeitgeschichte, so werfen wir wenigstens einen Blick auf die Ein-Säulen-Pagode. Sie befindet sich ebenfalls beim Mausoleum und wirkt inmitten der Monumentalbauten schon ziemlich deplatziert. Die Pagode stammt aus dem 11. Jahrhundert, innen wird die Gnadengöttin Quan Am verehrt. Die tragende Säule aus Holz haben 1954 die Franzosen zerstört, heute ruht das Heiligtum auf einer Betonsäule.

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Haben wir also rund ums Mausoleum etwas Besuchspech, sie wird uns bei unserer nächsten Station Glück beschert. Denn der Literaturtempel ist nicht nur wie üblich von Touristen bevölkert, sondern auch von Hunderten Studentinnen und Studenten, die ihre Examina bestanden haben und diesen Erfolg hier feiern. Denn der Literaturtempel ist nicht nur einer der wichtigsten Tempel des Landes, sondern war auch Hanois erste Universität. Seine Geschichte geht ins 11. Jahrhundert zurück als hier ein Altar zu Ehren von Konfuzius errichtet wurde. Bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts wurde die geistige und gesellschaftliche Elite des Landes an dieser Stätte ausgebildet.

Für uns ist der Literaturtempel einfach ein schöner Ort der Ruhe im lauten Hanoi. Er besteht aus fünf hintereinander folgenden Höfen, die man jeweils durch ein Tor erreicht. Ein kleiner Teich ist in der Mitte. Im Gebäude des fünften Hofes finden wir eine Ausstellung traditioneller vietnamesischer Musikinstrumente. Und grade als wir eintreten, beginnt ein Konzert mit diesen alten Instrumenten. Wenn man wochenlang Thai-Pop hören musste, dann sind diese Klänge besonders angenehm. Mir gefällt besonders ein Instrument, das nur eine Saite hat und das auf dem Schoß des Spielers liegt. Die Tonhöhe wird durch einen Holm, an dem die Saite befestigt ist, mittels Biegen desselben verändert. Der Klang erinnert mich sehr an eine Pedal-Steel-Gitarre, die man aus der amerikanischen Country-Musik kennt.

Nach dem Literaturtempel tauchen wir wieder in die lärmende Großstadt ein und gehen zu Fuß zum Hotel. Dieter setzt Helga dort ab und geht nochmal los. Schnurstracks ins nächste Geschäft mit Musikinstrumenten. Als fachkundige Gitarrenläden kann man die alle nicht bezeichnen. Neben traditionellen vietnamesischen Instrumenten hängen aber auch immer ein paar Gitarren rum billiger und billigster Machart. Und so eine habe ich jetzt. Sie hört auf den aussagekräftigen Namen “Akustica”, hat einen dreiviertel Korpus und das Griffbrett einer klassischen Gitarre. Allerdings sind Stahlsaiten draufgespannt. Sie hat umgerechnet 40 Euro gekostet, und so klingt sie auch.

Hanoi hat uns geschafft. Wir beschließen, für Freitag eine eintägige Tour zur Ha Long-Bucht zu buchen, die Rückfahrt nach Hanoi aber nicht mitzumachen.

Ein Kommentar zu “Hanoi, Vietnam: Hocketse und Ho Chi Minh (2. Tag)”

  1. Eugen sagt:

    dann gibts als nächstens nicht nur Berichte und Fotos, sondern auch Akkustisches von Dir?…;-)
    Wir bleiben gespannt!

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