Ha Long-Bucht, Vietnam: Trübe Aussichten

So ziemlich jedes Hotel in Hanoi verkauft auch Touren. Die Ha Long-Bucht ist Pflicht, Sa Pa in den Bergen im Nordwesten eigentlich auch. Wir machen nur die Bucht.

Es ist eine dieser eintägigen Ha Long-Standardtouren, das ist uns klar; die zweitägigen schließen noch einen Übernachtung auf dem Schiff oder auf der Insel Cat Ba ein. Um acht Uhr morgens werden wir mit dem Kleinbus abgeholt. Mit uns fährt noch ein Schweizer mit bayerischem Migrationshintergrund mit, der ebenfalls im Prince-Hotel logiert. Wir sind die ersten, die einsteigen. Dann beginnt das Abklappern der anderen Hotels, und bis wir die Truppe voll haben und aus der Stadt raus sind, sind anderthalb Stunden vergangen. Wir werden wohl erst nach Mittag an der Bucht ankommen, klärt uns unser Reiseleiter auf.

Die Fahrt ist wenig reizvoll, immer gradeaus durch ebenes, dichtbesiedeltes Gebiet, und die Straße ist eine einzige Baustelle. Angekommen am Pier von Ha Long-Stadt, geht es gleich aufs Schiff, eine alte Dschunke aus Holz, etwa so groß wie einen Hamburger Hafenfähre. Nach dem Ablegen wird das Essen serviert, das überraschend lecker und reichhaltig ist, sogar ein ganzer Fisch bedeckt mit Kräutern ist dabei.

Allerdings ist das Wetter trübe, so dass die Attraktion der Bucht, die mehr als 2.000 steil aus dem Wasser ragenden Inseln und Inselchen nicht klar zu erkennen sind. Sie bestehen aus Kalkstein, versteinerten Muscheln und Gneis und sind oft dicht bewaldet. Durch die Erosion entstehen die bizarren Formationen. Die Ha Long-Bucht bei klarem, sonnigem Wetter – das ist sicher fantastisch! Erinnert mich ein bisschen an die Bay of Islands auf der Nordinsel Neuseelands. Das trübe Wetter sei um diese Jahreszeit normal, erfahren wir von dem Südostasien kundigen Schweizer, wir hätten sogar noch Glück, weil es sommerlich warm sei. Sonst um diese Jahreszeit friere man nicht selten auf den Booten.

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Erste Station ist die Thien Cung-Grotte, erst 1994 entdeckt, aber schon seit Jahren beliebtes Anlaufziel der Boote. Sie ist voll für den Durchmarsch der Touristen erschlossen, mit zahlreichen Treppen und geebneten Wegen. Zudem setzt man mit bunten Lampen die Tropfstein-Formationen in Szene. Auch ohne die Festbeleuchtung wäre die Höhle beeindruckend.

Weiter geht es zu einem schwimmenden Dorf. Die Hütten werden von einer Lage Styropor über Wasser gehalten und sind das Zuhause ehemaliger Seenomaden. Als 1994 die Bucht zum UNESCO-Weltnaturerbe erklärt wurde, wurden sie in den auf dem Wasser sesshaft. So erklärt es der Reiseführer. Unser Dorf hat sich voll aufs Verdienen an den Touristen eingestellt. Unsere Reiseleiterin versucht uns zu überreden, uns von den Dorfbewohnern zu einer rund 100 Meter entfernten Grotte rudern zu lassen – für zwölf Dollar pro Boot. Wir verzichten wie die meisten anderen Fahrgäste und schauen vom Deck denjenigen zu, die für Flut in der Dorfkasse sorgen. Schlechtes Gewissen? Nicht wirklich.

Wir schippern danach noch um ein paar Inselchen herum und nehmen dann Kurs zurück zum Pier in Ha Long-Stadt. Dort kommen wir gegen halbfünf an und sind sehr froh, dass wir nicht wie die anderen noch vier Stunden nach Hanoi zurückfahren müssen.

Wir wollen ja weiter zur Bai Tu Long-Bucht, die ähnlich schön wie die benachbarte Ha Long sein soll, aber nicht so touristisch überlaufen. Unser Ziel ist die Insel Quan Lan, die am Rand der Bucht liegt zum offenen Meer hin. Sie ist die einzige Insel der Bai Tu Long, auf der Unterkünfte vom Reiseführer beschrieben werden. Wir erwischen um fünf den letzten Linienbus nach Qua Ong. Von dort müssen wir dann weiter nach Cai Rong, wo die Schiffe zur den Inseln abfahren.

Unsere Erwartung, dass die Busfahrt nach Qua Ong vielleicht eine halbe Stunde dauern wird, erfüllt sich allerdings nicht. Nach endlos langen eindreiviertel Stunden, in denen wir mehrmals zweifeln, im richtigen Bus zu sitzen, sind wir endlich da. Zudem sind wir im Dunkeln gefühlt durch eine einzige Stadt gefahren, an tausenden erleuchteten Geschäften vorbei. Wir können kaum glauben, dass wir auf dem Weg in eine erholsame, wunderschöne Region sind.

Ein Taxi bringt uns das letzte Stück nach Cai Rong. Jetzt kommen wir natürlich nicht mehr rüber auf die Insel. Nachdem wir in einem schlichten Lokal noch eine Suppe gegessen haben, nehmen wir Nachtquartier in einem ebenso schlichten Hotel direkt am Pier. Der Reiseführer erwähnt es wegen seiner tollen Aussicht aufs Hafengeschehen. Er hat untertrieben, wie sich am nächsten Morgen herausstellen sollte.

Ein Kommentar zu “Ha Long-Bucht, Vietnam: Trübe Aussichten”

  1. Eugen sagt:

    poah, jeder Tag ein Abenteuer!!!

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